Neuer Einlieferer bei Ebay: "markenprofi" aus der Schweiz

Vorneweg die neuesten Entwicklungen in dem Fall:

Danke "markenprofi" !

markenprofi hat alle Auktionen storniert und mir sogar einen guten Scan geschickt den ich hier zeigen will:

Gefährliche Fälschungen!

 

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Was ist nun mit diesen tollen Marken? Die sehen doch wirklich echt aus? Und woran konnte man die als FALSCH auf einem sehr viel kleineren Scan erkennen? Kurzantwort: in dem Fall können das tatsächlich nur ein paar Kenner dieser Fälschung. Also: Ich muss dazu etwas länger ausholen.

1. Die Marken sind Ganzfälschungen. Wie immer bei einer Fälschung, ist alles falsch. Druckfarben, Papier, Zeichnung, Wasserzeichen, Zähnung usw., nichts stimmt. Selbstverständlich ist auch der Stempel falsch. Diese Marken sind z. B. etwas zu hoch. Das Papier hat Wasserzeichen, ist aber etwas zu dick. Bei den hier gescannten Fälschungen stand unten rechts ganz klein und undeutlich "FAUX", französisch für "FALSCH". Bei den hier gescannten Marken, wurde dieses Wort chemisch entfernt. Deshalb auch der Fleck unten rechts. Diese Flecke waren auch bei anderen Marken dieses Einlieferers. Wir wissen nun nicht, ob "markenprofi" die Warnungen entfernt hat oder nicht.

2. Wie konnte ich nun auf dem Miniscan all das erkennen? Ich habe mich einmal hauptberuflich lange und intensiv mit Fälschungen dieses Fälschers beschäftigt. Die Sache ist etwas über 15 Jahre her. Es ging damit los, dass ein Lübecker Opernsänger (dessen Namen ich nicht nennen werde, die Sache ist auch verjährt und auch gerichtlich abgehandelt), braungebrannt und gut aussehend, bei der Einreise nach Deutschland mit einem Koffer voller Briefmarken beim Zoll auffiel.  Der Zoll dachte, die Marken wären echt und es solle in gigantischer Höhe Einfuhrumsatzsteuer hinterzogen werden. In dem Koffer waren waren z. B. teure Schweizblocks, spanisch Andorra Europa-Union 1971 in Bogen und eben quer Beet alle möglichen europäischen Raritäten, jeweils Bogentaschen voll. Insbesondere aber auch die Bundesrepublik Ifraba 1953. Die meisten Fälschungen sind und waren extrem gut und gefährlich. Viele davon sind im Original Druckverfahren hergestellt. Kurze Zeit später wurde dieser Mann, samt einem Komplizen, der im Auto um die Ecke wartete, beim Versuch diese Fälschungen zu verkaufen, irgendwo in Deutschland, verhaftet. Ich will keine weiteren Details mehr nennen. Nur so viel, was hier steht ist wahr und ich werde Emails mit Fragen zu dieser alten Sache nicht beantworten. Sollten Sie der Opernsänger sein, dürfen Sie mir allerdings gerne schreiben.

Die Frage die sich nun stellt, wie kommt nun eine kleine Auswahl dieser Fälschungen zu "markenprofi"? Ich werde ihn fragen. Es ist auch sehr gut möglich, dass in der Schweiz noch große Mengen dieser Fälschungen schlummern.


Vorneweg: Das Angebot ist legal aber hart, ganz hart an der Grenze zum vorsätzlichen Betrug (falls "markenprofi" das "FAUX" selbst weggemacht hätte, wäre es allerdings vorsätzlicher Betrug.)

1. Weshalb ist es legal?

"markenprofi" schreibt: "Bei geprüften Briefmarken übernehme ich die volle Garantie für die Echtheit. Ungeprüfte Marken und die kleineren Lots sicherheitshalber ohne Obligo."
Die Frage bleibt, zur Vorsicht für wen?
Hinweis der Redaktion: Diese Briefmarken sind ungeprüft, deshalb eben ohne Obligo.

2. Weshalb ist dieses Angebot dennoch, zumindest moralisch, verwerflich?

Der Name "markenprofi" suggeriert fachmännisches Wissen. Die Aufmachung des Angebots ist professionell. Das erweckt einen seriösen Eindruck. Zunächst kommt als Beschreibung:
"In dieser Auktion bieten Sie auf eine alte Karte des Deutschen Reiches, die mit zweimal Chicagofahrt 1 Reichsmark (Michelnummer 496) frankiert ist. Ungeprüft, die Erhaltung ist in Ordnung. Beachten Sie den Scan! Schauen Sie auch meine anderen Auktionen an!"
Das sieht nach einem echten Beleg aus. Erst ganz unten, soweit liest eigentlich keiner, stehen dort bei den Profis doch keine hinterhältigen Formulierungen, folgt dieser Garantieausschluss. Dann folgt ein Satz mit Nonsens. Siehe das Originalangebot hier.
Markenprofi hat zur Zeit  5 Angebote. Alle enthalten, ohne Ausnahme, Fälschungen / Stempelfälschungen. Ist das der versprochene Nachlass?

Hier nun die Chicagofahrt, 2 Stück auf Postkarte. Was ist nun an diesem wunderschönen Stück falsch. Oder anders gefragt, wie gierig muss ich als Illusionskapitalist sein, um darauf zu bieten?

1. Die Marken haben, deutlich erkennbar, Linien- statt Kastenzähnung. Die Marken sind falsch. Es handelt sich auch nicht um nachgezähnte Marken, sondern um zwei identische, falsche Marken. OK, es ist für einen Laien eventuell nicht offensichtlich. Sehen wir also weiter. In diesem Fall macht nachdenken schlau!

2. Die Marken kleben auf etwas mit einem waagrechten Strichstempel Entwertetem. Wohl eine Karte die schon einmal gebraucht war? Drunter klebt wohl noch eine billige Germania! Diese Stempel waren 1933 aus der Mode! Wer 2 Reichsmark für die Frankatur hatte, konnte auch eine saubere Postkarte kaufen. Papierrecyling 1933? Nein, einfach zu blöd gefälscht!

3. Der Text ist mit Kopierstift, statt mit Tinte geschrieben. Das hat man in Kriegs- und Notzeiten gemacht, nicht 1933!

4. Was steht denn auf dieser Karte, gestempelt am 7. 10. 1933??? Da steht: "Die besten Neujahrsgrüße sendet Dir ..."??? Im Oktober??? Wie gierig muss man eigentlich sein, um auf diese Karte bieten zu können??? Wie blöd muss man als Fälscher sein?

Nachwort: Ich erwähne es nur der Vollständigkeit halber: Alle Stempel, mit Ausnahme der Striche, sind falsch. Ach ja, sehen Sie die Bildseite der Karte! Da wird so manches klar! Hier liegt auch der wahre Wert des Stücks!